Öffentliche Stellungnahme der Jungen Union Kreis Wesel zu den aktuellen Vorkommnissen in der CDU und der JU nach der Europawahl.

Die CDU-Führung braucht einen direkten Draht zum Nachwuchs und der Basis

Totalausfall im Konrad-Adenauer-Haus (KAH)

Man konnte nur hoffen, dass die CDU zwischen „das Internet ist für uns alle Neuland“ (Angela Merkel 2013) und der Gegenwart irgendetwas dazugelernt hat. Doch konnten hübsche Bildchen auf Instagram und hippe Wahlvideos nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Parteizentrale, was den Umgang mit den Sozialen Medien angeht, trotz einer voll besetzten PR-Abteilung ein zahnloser Tiger ist. Das Internet ist kein Trend, der über Nacht über Deutschland hereinbrach, sondern seit langem Plattform auch für politischen Diskurs. Das Rezo-Video und die Reaktion aus dem KAH ist für eine staatstragende Partei unwürdig. Wir sind hier nicht einmal zum Spiel angetreten, sondern haben uns verängstigt in der Kabine eingeschlossen und auf eine „angemessene“ Reaktion komplett verzichtet. Das KAH hat genug Potential, um mit seinem Medienapparat zeitgemäß auf die teilweise berechtigte Kritik von Rezo zu reagieren. Entgegen den Erwartungen einer professionellen und einprägsamen Antwort, die die Bemühungen der CDU – Stichwort Atomausstieg – die Schöpfung zu bewahren herausstellt und die Zuspitzungen des Youtubers entkräftet, liefert die Parteizentrale elf Seiten PDF-Datei, die man nur noch an die jungen Wähler faxen müsste, um das Bild einer von der Jugend vollkommen entrückten „Volks“-Partei komplett zu machen. So kurz vor der wichtigsten Europawahl das kleine Einmaleins der Parteiführung zu vergessen kann nur nach hinten losgehen und offenbart auch ein grundlegendes Problem: „Die CDU ist mit der politischen Meinungsbildung und grundrechtlich geschützten Meinungsmache im Internet überfordert.“ Wo die CDU überfordert ist, müsste die Junge Union umso schärfer angreifen, doch kam weder von unserem Bundesvorsitzenden Tilman Kuban, noch von unserem jungen Generalsekretär und ehemaligen JU-Vorsitzenden, Paul Ziemiak, eine pointierte Retour, sodass dieses Feld anderen überlassen blieb.

20,5% für die Grünen und die JU ist schuld?!

In den letzten Wochen haben viele JU-ler bei jedem Wetter in den Straßen für die CDU Wahlkampf gemacht, den Frust der Bürger abbekommen, diskutiert und überzeugt. Die CDU und die JU sind im Wahlkampf ein eingespieltes Team, das bei Niederlagen und Enttäuschungen geschlossen zusammensteht und gemeinsam die Verantwortung für Siege, aber auch für die ein oder andere Niederlage übernimmt, oder besser gesagt: Das waren sie. Die CDU Führung sieht die JU und einen vermeidlichen Rechtsruck als Ursache für das schlechte Abschneiden der CDU insbesondre bei jungen Wählern. Das ist eine ungeheure Respektlosigkeit gegenüber den ehrenamtlichen Wahlkämpfern. Wobei man nicht vergessen darf, dass das Durchschnittsalter des CDU-Bundesvorstandes bei 54 Jahren liegt und die CDU genau bei den Themen, die jungen Wählern wichtig sind, unklare Positionen – Stichwort Umweltschutz – oder falsche Positionen (Artikel 13 Urheberrechtreform) vertritt. Darüber hinaus liegt der Schwerpunkt des CDU-Wahlkampfes mit Friede, Wohlstand, Sicherheit zielgenau neben den Themen, die im Wahlkampf Strahlkraft erzeugen und ein Alleinstellungsmerkmal der CDU begründen würden. Es liegt auf der Hand; die CDU-Führung braucht einen kürzeren Draht zur Basis und vor allem zur JU.

Statt sich Gedanken zu machen, wie man Rezojünger zur CDU holen kann, sollte man lieber alles daran setzen, die Enttäuschung der eigenen Mitglieder über das Bild, das die CDU in der letzten Woche abgegeben hat, aufzunehmen und alsbald zu zerstreuen. Das Ziel dieser Positionierung ist nicht zu provozieren oder Effekthascherei, sondern der Stachel im Fleisch der CDU zu sein.

Darum fordern wir wie bereits am 6.Dezember 2018 die Wiedereinführung der Regionalkonferenzen auf Bundesebene.

Für den Kreisvorstand der Jungen Union Kreis Wesel.

Frederik Paul

Kreisvorsitzender